Der 15. Februar 2026 war ein denkwürdiger, sonniger Wintertag – 81 Jahre nach der verheerenden Bombardierung von Cottbus. Mitglieder der queeren Community des Regenbogenkombinates Cottbus begingen diesen Gedenktag gemeinsam und setzten ein sichtbares Zeichen des Erinnerns und der Verantwortung.
Um 11.30 Uhr begann in der Lutherkirche in Cottbus eine Gedenkandacht.


Punkt 11.53 Uhr – genau zu dem Zeitpunkt, als vor 81 Jahren die ersten Bomben auf die Stadt fielen – erklangen die Glocken. Ihr Läuten war zugleich mahnend und erhebend. In diesem Jahr standen besonders die vielen Geflüchteten im Mittelpunkt des Gedenkens, die sich damals in Cottbus aufhielten und bei der Bombardierung ihr Leben verloren.


Am Nachmittag, um 15 Uhr, folgten wir dem Aufruf des Cottbuser Aufbruchs zur Kundgebung auf dem Altmarkt. Rund 150 Menschen versammelten sich unter dem Motto: „Aus der Geschichte erwächst unsere Pflicht.“ Die Redebeiträge erinnerten eindringlich an die Schrecken von Krieg, Gewalt und Zerstörung – und benannten klar die Ursachen: die mörderische Ideologie des Nationalsozialismus, getragen von Größenwahn, Rassismus und Antisemitismus, die unermessliches Leid über Europa brachte.
Für uns als queere Community ist dieser Tag mehr als ein historisches Erinnern. Er ist Anlass zur Rückbesinnung auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde und auf die Werte eines friedlichen, solidarischen und demokratischen Zusammenlebens. Die Bombardierung von Cottbus war eine unmittelbare Folge des nationalsozialistischen Angriffskrieges. Erinnerung bedeutet daher auch, Verantwortung zu übernehmen – für Gegenwart und Zukunft.
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für uns? Aus diesem Gedenktag erwachsen mehrere zentrale Aufgaben:
- Erinnerung wachhalten und sichtbar machen. Queere Menschen waren selbst Opfer des Nationalsozialismus. Ihre Verfolgung, Entrechtung und Ermordung dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen ist daher auch ein Akt queerer Selbstvergewisserung und historischer Verantwortung.
- Solidarität mit Ausgegrenzten und Geflüchteten stärken. Die Erinnerung an die Geflüchteten, die 1945 in Cottbus ums Leben kamen, verpflichtet uns heute zu Empathie und Solidarität gegenüber Menschen auf der Flucht. Besonders queere Geflüchtete sind häufig mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt.
- Wachsam gegenüber Ideologien der Ausgrenzung bleiben. Rassismus, Antisemitismus und queerfeindliche Ideologien sind keine Phänomene der Vergangenheit. Die Geschichte zeigt, wie schnell Menschenrechte untergraben werden können. Eine aktive, sichtbare Zivilgesellschaft ist daher unerlässlich.
- Demokratie aktiv verteidigen. Frieden, Vielfalt und Gleichberechtigung sind keine Selbstverständlichkeiten. Die queere Community ist Teil der demokratischen Gesellschaft – und trägt Mitverantwortung, demokratische Werte zu stärken, Dialog zu fördern und sich klar gegen Hass und Hetze zu positionieren.
- Räume des Gedenkens als Räume der Begegnung nutzen. Gedenken kann verbinden. Wenn queere Gruppen sich sichtbar an städtischen Erinnerungsformaten beteiligen, schaffen sie Brücken zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und zeigen: Vielfalt gehört selbstverständlich zur Stadtgesellschaft.
Der 15. Februar ist nicht nur ein Tag des Rückblicks. Er ist ein Auftrag. Aus der Geschichte erwächst unsere Pflicht – zur Menschlichkeit, zur Solidarität und zur Verteidigung der Würde jedes Menschen. Gerade als queere Community wissen wir, wie fragil Freiheit sein kann. Deshalb erinnern wir – und deshalb handeln wir.

