

Am 14.02.2026 haben wir uns als Regenbogenkombinat an der Aktion "One Billion Rising" gegen patriarchale Gewalt beteiligt. Dabei gab es unter anderem klare und bewegende Redebeiträgen von MiA (Mädchen in Aktion) und den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt und Brandenburgischen Kulturstiftung. Unserer Redebeitrag ist weiter unter den Fotos zu finden.
Zwischen den Redebeiträgen haben wir dem kalten Wetter getrotzt und zu den Liedern "Break the Chain" und "Ni una menos" getanzt.
Zwischendurch hat die Technik Probleme gemacht - zum Glück blieb die Stimmung vor Ort gut und mithilfe von engagierten Menschen konnte auf eine Notlösung umgestellt werden.
Wir danken allen Organisierenden und Teilnehmenden und gehen erfüllt und gestärkt aus der Aktion heraus.








Rede:
Danke, dass ich heute reden darf, und danke auch meinen Vorredner*innen.
Ich möchte über etwas sprechen, was uns allen klar ist, aber heute (kaum) Erwähnung gefunden hat:
Auch queere Menschen leiden unter dem Partriachat - was auch zu Gewaltausübung führen kann.
Nur gibt es keine verlässlichen Zahlen und wenig Forschung dazu. Ich zitiere aus Charly Krenns Buch zu queerer Anti-Gewalt-Arbeit: "Gewalt kommt in Partner*innenschaften in vielen verschiedenen queeren Lebensrealitäten statistisch mindestens so häufig, oftmals sogar häufiger, als in nicht-queeren Beziehungen vor"
Durch die Diskriminierung, die queere Menschen von außen erfahren, und die internalisierte Trans-, Homo- und Queerphobie sind sie verletzlicher und gleichzeitig stärker angewiesen auf soziale Ressourcen, z.B. familienanaloge Bezugspersonen oder Zugehörigkeit zur queeren Community.
Mit Verletzlichkeit durch Diskriminierung ist oft auch ein geringes Selbstwertgefühl verbunden.
Daraus ergibt sich eine höhere Risikobereitschaft, leichtsinniger Beziehungen einzugehen, um Community zu finden und zu halten und mit der queeren Identität akzeptiert zu werden.
Steckt man dann in einer gewaltvollen queeren Beziehung, gibt es einiges, dass das rauskommen (Verlassen dieser) erschwert:
Die Angst davor, sich outen zu müssen, um über die Gewalterfahrung zu sprechen, weil die Beziehungsperson der einzige Bezug zur queeren community ist. oder
Die Angst vor Einsamkeit und Isolation, vor dem Verlust von Unterstützung aus dem familiären Umfeld und von Freund*innen, oder eine Verstärkung davon durch ein Zwangsouting von außen.
Und wenn wir gerade beim außen sind - auch die queerfeindliche Gewalt von außen wird mehr - Laut Camino Report, Opferperspektive & polizeilichen Statistiken steigt jedes Jahr die Anzahl der queerfeindlichen Übergriffe aus Hass oder Fetischisierung.
Mehrfachdiskriminierungen sind hier noch nicht mal benannt, aber es ist logisch, dass eine weiße genderqueere Person anders von Diskriminierung betroffen ist, als ein jüdischer oder muslimischer Jugendlicher, ein schwuler Geflüchteter oder eine schwarze Trans-Frau.
Wir müssen unsere Kämpfe vereinen. Solidarität zeigen, mit allen Betroffenen von Diskriminierung und struktureller Gewalt. Deshalb sind wir heute hier.
Um gegen strukturelle Gewalt anzukommen müssen wir uns auch aus uns selbst befreien, und unsere eigenen Beziehungen und Machtdynamiken hinterfragen, denn das Private ist politisch.
Also, lasst uns gemeinsam kämpfen, einander zuhören und unterstützen.
Schaut euch mal um. Wir sind viele.
Wir können uns helfen: Bietet konkrete Unterstützung an, wenn jemensch von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen ist. Stellt Fragen, die zum Nachdenken, Reflektieren und Diskutieren anregen, zum Miteinander statt Übereinander reden, und zum Zuhören.
Und vor allem: seid lieb zu einander.
Schon ein einziges freundliches Lächeln in der Bahn zu einer queer gelesenen Person kann sich solidarisch anfühlen und ermutigen und verdeutlichen: Du bist nicht allein.
Wir kämpfen füreinander, miteinander, gegen die Gewalt!
Du bist nicht allein! Danke.
Quelle:
Krenn, C. (2025). Queere Anti-Gewalt-Arbeit in Deutschland: Aufdeckung und Aufarbeitung queerspezifischer Gewalterfahrungen. Verlag Barbara Budrich. URL: https://doi.org/10.2307/jj.30152846 (letzter Zugriff 10.03.2026)

